Presseclipping
Trans-Maghreb

Kritikenspiegel "Trans-Maghreb"

Auszüge aus der Berichterstattung, Trans-Maghreb 2014

Neue Vorarlberger Tageszeitung, Schwarzach

Hautnah erlebt das Publikum ein atemberaubendes Ballett der Bauarbeiter am Anfang, wo der Laden noch lief, oder einen Wüstensturm, der den allgegenwärtigen Plastikmüll umhertreibt. Es erlebt, wie der penetrant optimistische Unternehmer (Wilfried Staber stimmgewaltig) mit Floskeln seine Leute hinhält, wie in der Zeit der Lethargie die Menschen sterben.
[…] Ob es die subtile Begleitung der arabischen Gesänge von Amal Murkus war, ob der jazzig aufgeladene Drive bei den hektischen Szenen oder die lähmende Melancholie: Alles vermittelte Peter Herberts Musik, ohne platt illustrativ zu sein.
[…] Ein dickes Lob gebührt dem Dirigenten Benjamin Lack, der das Instrumentalensemble, den Prager Philharmonischen Chor sowie die überall verteilten Sänger erstaunlich präzise führte.

Schwäbische Zeitung Online, Ravensburg

Braun möchte das Publikum regelrecht in die Handlung hineinführen, um erfahrbar zu machen, wie man sich als direktes Objekt der Ereignisse fühlen würde. Die überschlagen sich in „Trans-Maghreb“ immer wieder von einem Moment zum nächsten.
[…] Robert Maszl (Tiefbauingenieur Gerald), Wilfried Staber (Corwald), Stanislav Kuflyuk (Statiker Gerhard), Markus Raab (Geologe Gonzo), Juliusz Kubiak (Chauffeur Mahmoud) und besonders Sebastian Campione als witziger Pizzeria-Besitzer Abdullah machen ihre Sache hervorragend.
[…] Die eindrücklichsten Momente schafft die palästinensische Sängerin Amal Murkus, die als arabische Fata Morgana europäischer Männerfantasien durch das Geschehen geistert und mit ihren unnachahmlichen orientalischen Koloraturen eine authentische Atmosphäre herbeizaubert. Ihr berührender Trauergesang über die in Holzsärgen liegenden „kollateralen“ Opfer der Kämpfe, aber auch das von Herbert dezent arrangierte Lied „Tahidaj“ („Wo ich bin, fühl ich mich wohl“) bleiben im Ohr.

Kultur, Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft, Dornbirn

Kontraste zwischen feinsinniger Musik und actionreicher Regieführung – Die Uraufführung von Peter Herberts „Trans Maghreb“ ließ niemanden unberührt
[…]Für die Atmosphäre des Raumes und für die psychischen Ausnahmesituationen, in denen sich die Protagonisten befanden, hat Peter Herbert eine sehr sinnliche und vielschichtige Musik komponiert. Die Kombination von arabischen Songs, improvisierten Passagen und flächig konzipierten bis hin zu Rhythmus betonten Passagen war hervorragend austariert. Das gesamte Ensemble dieser aufwendigen Produktion verdient höchste Anerkennung, denn das Niveau der Darbietung war enorm hoch und authentisch erlebbar.
[…]

Die Musiker agierten vom Rand der Werkstattbühne aus. Sie wurden geleitet von Benjamin Lack, bei dem die Fäden gut und sicher zusammenliefen. Das Koehne Quartett, Hans Platzgumer, Kenji Herbert, David Helbock, Martin Eberle, Loy Ehrlich, Firas Hasssan und Claudio Spieler und mitten unter ihnen der Komponist und Kontrabassist Peter Herbert musizierten unglaublich gut aufeinander abgestimmt. Hoch konzentriert stellten sie sich ganz in den Dienst der Performance.
[…]

Auch das Sängerensemble mit Robert Maszl (Gerald), Wilfried Staber (Corwald), Stanislav Kuflyuk (Gerhard), Markus Raab (Gonzo), um nur einige zu nennen, sowie der Prager Philharmonische Chor agierten hervorragend und schufen eine dichte Atmosphäre.



APA, Austria Presse Agentur


Verheißungsvoll war das Vorspiel, gab es doch eine inszenierte Demo vor der Werkstattbühne, Passkontrollen, Gefangene, die um Zigaretten oder Hilfe baten. Das Publikum wurde zum Teil auf die Zuschauertribüne, zum Teil in den Zuschauerraum geführt. Eine gute Einstimmung auf einen Abend, der die Geschichte des Bauträgers Anton Corwald erzählt, der 2011 einen Trupp österreichischer Arbeiter und Ingenieure nach Libyen verfrachtet, um eine Hochgeschwindigkeitsstrecke für Muammar Al-Gaddafis Regime zu errichten. 
[…]

Letzterem [Dirigent Benjamin Lack] gebührt das größte Lob des Abends. Souverän, gelassen und mit großer Übersicht führte Benjamin Lack Sänger und Musiker durch das anspruchsvolle Werk. Eine ausgezeichnete Leistung bot dabei das Kammerorchester gemeinsam mit dem Koehne Quartett Wien. 



Vorarlberger Nachrichten, Schwarzach


Lasst es uns gleich nochmals hören. Auf musikalischer Seite ist "Trans-Maghreb" ein uneingeschränktes Erlebnis.
Die Musik hätte ruhig noch andauern können, als ein Bewaffneter die Menschen nach knapp eineinhalb Stunden zum Verlassen des Ortes aufrief. So einigen wäre es wohl recht gewesen, wenn sich das wunderbare Orchester inklusive Solisten noch einmal auf den Plätzen postiert hätte. Nicht nur den Fans von Peter Herbert und Hans Platzgumer, sondern allen Kennern sollte es vergönnt sein, dass es die gestern Abend uraufgeführte Komposition "Trans-Maghreb" einmal auf Tonträger gibt oder dass sie wieder einmal bzw. noch oft auf die Bühne kommt. […]


Die Situation der Eingeschlossenheit bzw. des Ausgeliefertseins greifbar zu machen, ihr eine musiktheatralische Form zu geben, obliegt in einem großen Maß den in schwieriger Situation agierenden Sängern selbst. Man mag den einfachen Ausstattungsideen von Susanne Boehm zustimmen, die die Begegnungen von Gaddafi mit einer Reihe von Staatsmännern und damit die fragwürdigen Rituale unserer Welt an die Wand projiziert, man nimmt die wohltuend unaufdringlichen und nachvollziehbaren Kostümideen von Claudia Raab zur Kenntnis und bemerkt, dass alle Stunts und akrobatischen Effekte nicht einfach dem Spektakel dienen und damit zur Show verkommen, sondern nahtlos in den Ablauf eingewoben sind.
[…]

Nicht nur Peter Herbert ist eine wesentliche Stütze des gesamten Unternehmens, er hat mit Benjamin Lack den zurzeit denkbar besten Dirigenten und Chorleiter im Team und mit dem Koehne Quartett, Hans Platzgumer selbst, Kenji Herbert, David Helbock, Claudio Spieler und anderen hervorragende Musiker. Die Musik fasziniert mit  rhythmischer Exaktheit und Farbigkeit im Zusammenspiel von opernhaften bzw. ariosen Passagen, Jazz-Elementen, eindeutiger Improvisation und Liedern aus dem arabischen Raum. Man wollte sich am liebsten immer dort postieren, wo diese Komposition gerade am besten wahrnehmbar ist, wo die feinen, kleinen Töne noch erfahrbar sind. Gerne in der Nähe von Platzgumer selbst oder dort, wo Spieler und Helbock mit perkussivem Einsatz auftraten und so manche Überraschung offerierten.


Bei der Sängerbesetzung waren die Bregenzer Festspiele, die diese Vorarlberger Produktion am Ende der bislang so ereignisreich und erfolgreich verlaufenen letzten Saison von David Pountney ansetzten, keineswegs kleinlich. Robert Maszl überzeugt als ungemein sicherer Tenor, Wilfried Staber als sehr beweglicher Bass. Stanislav Kuflyuk, Markus Raab, Sebastian Campione und Juliusz Kubiak blieben (neben der erwähnten Amal Murkus) über alle Hindernisse bestens mit dem Orchester und Mitgliedern des Prager Philharmonischen Chores in Verbindung. Sie sollten es auch bleiben, und zwar für eine Fortsetzung dieser besonderen Produktion, mit der "Trans-Maghreb" als phänomenale Komposition weiteren Hörern zugänglich gemacht wird.

© Bregenzer Festspiele / Anja Köhler