Presseclipping
Tevana begeisterten im Lutterbeker

AUS JEDER PORE DIE REINE LUST AM MUSIZIEREN

Virtuos: Tevana begeisterten im Lutterbeker mit Ingvo Clauder und Claudio Spieler
Von Hannes Hansen, Kieler Nachrichten
 

Kiel. Eigentlich kann man nur hilflos staunen, wenn Ingvo Clauder die Tasten seines Klaviers funkig, rockig, jazzig, neutönerisch bearbeitet und sein Partner Claudio Spieler dazu auf Rahmentrommeln, Becken, Gongs, Cowbells, mit Rasseln, Klappern, Klangschalen und einer ganzen Reihe weiterer Perkussionsinstrumente differenzierte Klang- und Rhythmusstrukturen hämmert, wispert, säuselt oder in die Luft stickt, bis man glaubt, das musikalische Äquivalent der verrückten Balzflüge liebestoller Kiebitzen zu hören.

Tevana nennen sich die beiden klassisch ausgebildeten Musiker, die die weiten Räume, die Jazz, Pop, Rock, Fusion, World oder neue Musik bieten, virtuos ausmessen. „Garten der Freude und des Spiels“ lautet die deutsche Übersetzung des Sanskritwortes, und einen passenderen Namen hätten Ingvo Clauder und Claudio Spieler für ihr Duo nicht wählen können. Aus jeder Pore verströmen sie die reine Lust am Musizieren, am Improvisieren und am spielerischen Umgang mit ihren Instrumenten, am anarchisch anmutenden freien Spiel ebenseo wie an ausgeklügelten, hoch differenzierten Kompositionen.

Tevana gastierte im Lutterbeker vor einem bedauerlicher Weise sehr überschaubaren, dafür aber hingerissenen Publikum. Wie Jongleuere warfen sich Pianist und Perkussionist ihre Ideen zu und trieben sich gegenseitig zu kompizierten Grooves auf dem weiten Feld ihrer aus unterschiedlichsten Quellen gespeisten Musik an. Ingvo Clauder haute Blockakkorde in die Tasten seines Klaviers, dass man meinte, die Saiten müssten zerspringen, um gleich darauf delikate Singlenotes-Linien zu spielen oder nur ganz reduzierte einzelne Töne zu den Klang- und Rhythmusfantasien seines Partners beizusteuern. Der ging schon mal mit seinen Fignern in den Overdrive und schaltete den Turbo ein, bis einem Hören und vor allem auch Sehen verging, und wechselte beim nächsten Stück zu gehemnisvoll mystischen, ganz behutsamen Strukturen. Als Kontrast zu solch freiem Spiel diente dann eine vollständig durchmathematisierte sydindische Musikform, deren Struktur zu folgen wohl nur Eingeweihten möglich war. Minimal Music und ekstatische Klangräusche, Tevana hatte alle denkbaren musikalischen Pfeile im Köcher. Eine junge Thailänderin, die eine, so war zu hören, alte Ballade in ihrer Muttersprache raunte, holte sich das Duo als Gast auf die Bühne und schon war man in die Zauberwelte alter Mythen versetzt. Ein weiterer Gast war der Kieler Aktionskünstler, Sänger und Bassist der Anarchomusikgruppe Strom und Wasser Heinz Ratz. Reine Lautmalerei war, was er grunzend, jaulend, haspelnd, blubbernd zum Thema „Zeit“ vortrug, eine Wiederbelebung dadaistischer Techniken.